Kategorie-Archiv: Allgemein

Liebe, Verzweiflung und der Mond

 

Rupert Enticknap, Countertenor (Foto: Joshua Lawrence)

Nach wochenlangen Proben, kam er doch noch, der Anruf: David Daniels, der Hauptdarsteller in „Radamisto“ war erkrankt, ausgerechnet vor der letzten Aufführung. Rupert Enticknap erinnert sich noch ganz genau, es war frühmorgens und die Überraschung groß. Nervosität? Natürlich, schließlich sollte es der erste Auftritt im Theater an der Wien sein und das gleich in einer Titelrolle. Doch der Sprung ins kalte Wasser sollte sich lohnen: eine fulminante Feuertaufe für den 26-jährigen und ein wichtiger persönlicher Erfolg.

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Primadonna, Priesterin und Pfingstintendantin

Format

Cecilia Bartoli (Foto: Uli Weber)

Cecilia Bartoli (Foto: Uli Weber)

Sie begann ihre Karriere mit Mozart und Rossini, heute gilt Cecilia Bartolis große Liebe der unbekannten Barockmusik. Und wenn die Bartoli ein neues Album veröffentlicht, dann steckt meist mehr dahinter, als einfach nur schöne Musik. Ihre CDs sind Entdeckungsreisen in überraschende musikalische Welten. Die Neugierde treibt sie an und ihre unerschütterliche Liebe zur Musik. Zuletzt huldigte sie Agostino Steffani und präsentierte ein Album mit Arien des vergessenen frühbarocken italienischen Komponisten. Dazu gehört Mut zum Risiko, doch die Bartoli kann es sich leisten – das Publikum liebt sie nicht nur für ihre starke Bühnenpräsenz im Theater; über acht Millionen verkaufte Tonträger machen sie zu einer der wenigen auch kommerziell erfolgreichen Sängerinnen unserer Zeit.

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Friss oder stirb

Welt der Frau

One third  - a project on food waste

Erdbeere “Elsanta” (Foto: Klaus Pichler)
Produktionsort: San Giovanni Lupatoto, Verona, Italien
Produktionsart: Foliengewächshaus; Transportweg: 741 km; Transportart: LKW
CO2- Bilanz: 0,35 kg; Wasserbedarf: 348 l
Preis: 7,96 € / kg

Diese Zahlen sind eine Verhöhnung. Laut einer UNO-Studie aus dem Jahr 2011 wird im Durchschnitt ein Drittel der gesamten Lebensmittelproduktion weggeworfen. Das sind unvorstellbare 1,3 Milliarden Tonnen Nahrungsmittel. In Österreich untersuchte die Wiener Wissenschaftlerin Felicitas Schneider die Filiale eines österreichischen Diskonters: täglich landen dort 45 Kilo Lebensmittel im Müll.

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Von innen heraus

Magazin der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien

Herbert Blomstedt (Foto: Martin U.K. Lengemann)

Herbert Blomstedt (Foto: Martin U.K. Lengemann)

Er war Chefdirigent in Oslo, Stockholm, Dresden, San Francisco und Leipzig – und ist längst das, was man einen Grandseigneur nennt: Herbert Blomstedt. Im März dirigiert der 85-Jährige das Gustav Mahler Jugendorchester. Miriam Damev hat ihn in seiner Wahlheimat Luzern besucht.

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Die Magie des Augenblicks

Concerto Winderstein

Andrés Orozco-Estrada (Foto: Werner Kmetitsch)

Andrés Orozco-Estrada (Foto: Werner Kmetitsch)

„Das Wunder von Wien“, schrieb die österreichische Tageszeitung der Standard im Jahr 2004 über Andrés Orozco-Estrada. „Das Debüt des Jahres, vielleicht sogar des Jahrzehnts“, hieß es weiter im Text. „Jeder fähige Orchestermanager sollte den Mann vom Fleck weg engagieren“. Überschwängliches Lob, in der durchaus kritischen Musikmetropole, für den damals noch unbekannten Dirigenten aus Kolumbien und eine fulminante Feuertaufe für den 27-jährigen. Fast zehn Jahre ist das jetzt her und Andrés Orozco-Estrada erinnert sich immer noch an jede Minute. An den Anruf, ob er im Wiener Musikverein kurzfristig beim Tonkünstlerorchester einspringen könne, keine 24 Stunden vor dem Konzert.

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Mit dem Lied durch Wald und Flur

Falter

Angelika Kirchschlager (Foto: Roland Schlager)

Für Brot und Wein bringt Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager das Lied unter die Leut’ . Angelika Kirchschlager tourte mit einem Liederprogramm durch die Provinz. Ein Buch erzählt von dieser speziellen Reise.

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Berauschend sinnlich

Format

Khatia Buniatishvili (Foto: Esther Haase)

Khatia Buniatishvili (Foto: Esther Haase)

Wenn sie das Podium betritt, dann steht plötzlich die Zeit still. Khatia Buniatishvili ist ein Phänomen, eine Naturgewalt. Temperament und Leidenschaft paaren sich bei der 25-jährigen Pianistin aus Georgien mit hellwacher Intelligenz und reifer Gestaltungskraft. Wenn Khatia Buniatishvili spielt, dann mit Körper, Geist und Seele. Ihr Leben ist die Musik. Musik als intimes Zwiegespräch und rauschhafter Zustand, als Gefühl der Extase und der grenzenlosen Freiheit.

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Der Körper bebt, die Seele tanzt

Falter

Herbert Blomstedt

Sieben Jahre lang war Herbert Blomstedt Chefdirigent beim Gewandhausorchester Leipzig. Nach seiner Verabschiedung 2005 kehrte er regelmäßig für ausgewählte Projekte ans Dirigentenpult zurück, etwa um sämtliche Sinfonien von Anton Bruckner aufzunehmen. Rechtzeitig zum 85. Geburts- tag des Dirigenten wurde der Zyklus nun mit den Sinfonien Nr. 2 und Nr. 9 abgeschlossen. Entstanden ist ein eindrucksvolles Tondokument, dessen fantastische Musik vom blinden Verständnis zwischen Herbert Blomstedt und dem fabelhaften Gewandhausorchester getragen wird.

Es hat lange gedauert, ehe Bruckner für seine Sinfonien breite Anerkennung zuteil wurde. Selbst heute noch bedarf die Musik einer sehr persönlichen Auseinandersetzung. Monumentale Architektur und kühne Harmonik, Exzentrik und Spiritualität prägen sein sinfonisches Schaffen – keine leichte Kost, zumal selbst große Dirigenten nicht davor gefeit sind, sich gerade bei Bruckner in Maßlosigkeit und sakrale Weihrauchstimmung zu flüchten. Doch Pathos verträgt Bruckner keines. Seine Musik ist überwältigend. Sie bedarf keiner künstlichen Anstrengungen. Bei Blomstedt zieht sie einen geradezu rauschhaft in ihren Bann.

Während in den Sinfonien eins bis drei Ausgelassenheit herrscht – Bruckner selbst nannte seine erste ein „keckes Beserl“, wohl wegen deren gewagter Harmonik –, ist die vierte von romantischer Naturstimmung erfüllt. Spannungsgeladen und gleichzeitig in sich ruhend gestaltet Herbert Blomstedt die fünfte, von filigraner Klangkunst getragen erklingt die sechste, majestätisch und meisterhaft ausbalanciert gelingen ihm die siebte und achte. Physisch spürbar wird die innere Spannung, wenn die neunte zu Beginn des ersten Satzes gleichsam aus dem Nichts erwächst, ehe sich das Hauptthema in seiner vollen Größe entfaltet und im dreifachen Forte des vollen Orchesters mit straff punktiertem Rhythmus und weiten Intervallsprüngen herabstürzt. Ein starkes Stück Musik, nicht zuletzt dank der hervorragen- den Akustik des Gewandhauses.

Herbert Blomstedt & The Gewandhausorchester Leipzig
Bruckner The Complete Symphonies
Querstand (9 CDs)

 

Musik mit sozialer Verantwortung

Falter

Manfred Honeck (Foto: Felix Broede)

 

 

 

 

 

 

 

 

Clean und chic, so lässt sich Downtown Pittsburgh kurz und bündig beschreiben. Eine Skyline aus Wolkenkratzern mit aufpolierten Glasfronten, gepflegte Parkanlagen und restaurierte viktorianische Häuser prägen das Zentrum der Stadt. Das war nicht immer so. Noch vor 35 Jahren brannten die Straßenlaternen hier auch tagsüber, weil derart viel Ruß in der Luft lag. Mehr als ein Jahrhundert lang wurden in Pittsburgh Eisen, Stahl und Kohle produziert. Mit dem Niedergang der Schwerindustrie Anfang der 1980er musste sich die Stadt allerdings neu erfinden. Statt Stahl produziert man heute Hightech-Innovation – einschließlich grüner Technologie, Bildung, Forschung und Entwicklung. 2009 kürte der Economist Pittsburgh zur „lebenswertesten Stadt der USA“; Forbes zählt sie zu den „zehn saubersten Städten weltweit“.

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Barock mit Turboprop

Falter

Simone Kermes (Foto: Christian Wind)

Dunkle Röhrenjeans, irre hohe Heels, fetziges Shirt. So wie Simone Kermes zum Interview am Flughafen Schwechat erscheint, denkt man eher an einen Popstar als an eine Sängerin aus dem klassischen Fach. Am rechten Ringfinger trägt sie einen fetten goldenen Totenkopfring. „Der ist von Alexander McQueen. Er wollte, dass ich bei seiner letzten Show in Paris singe. Dann hat er sich umgebracht. Beim Konzert gestern habe ich übrigens einen Stoff von ihm angehabt.“

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