Kategorie-Archiv: Allgemein

Musischer Adventskalender 2014, Tür #8: Jonas Kaufmann Superstar

Jonas KaufmannDie Überraschung ist groß, als vor einigen Wochen Post von Jonas Kaufmann im Postkasten liegt. Mit chicem Dreitagebart, schmachtendem Blick und altmodischem Mikrophon posiert der Tenor auf dem Cover seines neuen Albums „Du bist die Welt für mich“, nach dem gleichnamigen Hit von der Tenor-Legende Richard Tauber. Kaufmann singt jetzt Operette? Ja, und wie! Schon lange hat man diese Stücke nicht mehr so frisch und lässig gehört. Unterschätztes, dabei höchst forderndes Repertoire und jede Menge geniale Melodien, die Kaufmann mit viel Tiefgang interpretiert, ohne dabei die Leichtigkeit zu verlieren. Ob als großer Verführer in Lehárs Frasquita oder mit leicht verschmuster Peter-Alexander-Stimme in Abrahams Diwanpüppchen – Jonas Kaufmann findet für jede Stimmung den richtigen Ton. Rührend besingt er Kálmáns „Grüß mir mein Wien“, schmettert die unvergesslichen Gassenhauer der 30er-Jahre, à la „Dein ist mein ganzes Herz“ oder „Du bist die Welt für mich“ und schleudert zum Abschluss in Künnekes „Lied vom Leben des Schrenk“ noch ein hohes C hinaus. Dass die Melodien von Benatzky, Stolz und Abraham hier modern und leichtfüßig klingen, liegt nicht zuletzt an den sehr geschmackvollen, nah am Original geschriebenen Arrangements von Andreas M. Tarkmann sowie am wunderbar swingenden  Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Jochen Rieder. Und weil viele der Originale heute nicht mehr existieren, orientierte man sich eben an den verrauschten Aufnahmen von damals. Was die Operette angeht, so sei die Zeit reif für eine Revival, findet Jonas Kaufmann, vorausgesetzt man hat großartige Sänger und einen Regisseur, der den Charme, den Witz und die Ernsthaftigkeit dieser Stücke richtig verkaufen kann. Vielleicht erleben wir Jonas Kaufmann ja demnächst als Eisenstein in Strauss’ Fledermaus auf der Bühne oder als Graf Danilo in der Lustigen Witwe. Die Chancen dafür stehen gut. Mal sehen, wohin ihn die Reise als nächstes führt.

Kommenden Samstag (13. 12)  gestaltet Jonas Kaufmann einen Liederabend im Wiener Konzerthaus mit Werken von Robert Schumann und Richard Strauss, im Frühling (14. Mai) führt ihn seine Operettenreise im Rahmen der „Great Voices“ eben hierher. Gleich zwei Rollendébuts stehen bei den Osterfestspielen Salzburg an: als Turrido und als Canio in den beiden Einaktern von Mascagni (Cavalleria rusticana) und Leoncavallo (Pagliacci). Im Sommer kehrt Kaufmann als Florestan in Beethovens Fidelio nach Salzburg zurück.

 

Musischer Adventskalender 2014, Tür #7: Bach Reloaded

Denis PatkovicUnzählige Male wurde Bachs Musik bearbeitet, und der Meister selbst pflegte es seine Werke nach Bedarf für ein anderes Instrument umzuschreiben. So wird vermutet, dass er seine Cembalo-Konzerte ursprünglich für andere Instrumente, unter anderem die Violine oder die Viola d´amore, komponiert hatte. Zu Bachs Zeiten vollends unbekannt hingegen war das klassische Akkordeon. Es entstand erst gute 200 Jahre später. Wie aufregend neu Bachs Barocke Konzerte auf diesem, vergleichsweise modernen Instrument klingen, lässt sich auf Denis Patkovics Album nachhören – drei der sechs Konzerte hat er hier aufgenommen. Zum Auftakt erklingt das Konzert in A-Dur, und plötzlich präsentiert sich da ein bekanntes Werk, jedoch in einem völlig neuen klanglichen Gewand. Bachs Musik ist sprühend, zum Dahinschmelzen sind die langsamen Sätze, die Patkovic ganz behutsam, mit viel Gespür für das Instrument und ebenso für Bachs grandiose Musik spielt. Es folgen zwei weitere Konzerte in f- und in d-Moll, und man ist erstaunt, was dieser Mann aus seinem Instrument zu zaubern vermag. Er spielt Bach mit Esprit, Leidenschaft und Virtuosität und zeigt ein phänomenales Gespür für die Stimmungen, den rhythmischen Elan und die Ausdrucksdichte der Werke, sodass sie hier unglaublich frisch und lebendig klingen – nicht zuletzt auch dank der unglaublich einfühlsam spielenden Kammerformation des Philharmonischen Orchesters Giessen unter Michael Hofstetter.

 

 

Musischer Adventskalender 2014, Tür #6: Le nozze die Figaro

Le Nozze di Figaro Mit Andrei Bondarenko, Simone Kermes, Fanie Antonelou, Christian van Horn u.a.  MusicaAeterna Leitung: Teodor Currentzis Sony Classical 42 Euro.Die “Hochzeit des Figaro” zählt zu Mozarts populärsten Opern, es gibt unzählige Aufnahmen davon, manche besser, manche weniger gut. Teodor Currentzis, dem ein obsessiver Drang zur Perfektion nachgesagt wird, und der sich als schräger Außenseiter zunächst einen Namen als Musikdirektor an der Oper von Nowosibirsk machte, wurde nach Perm berufen, einer Stadt am Ural, wo er an der etwas angeranzten Oper für frischen Wind sorgen sollte. In Perm hat sich Currentzis auch vorgenommen, Mozarts drei Da-Ponte-Opern auf CD einzuspielen – der „Figaro” ist nun erschienen. Currentzis serviert uns einen Mozart, der frei und unverbraucht klingt und der in seiner Interpretation so radikal wie schlüssig ist. Das gemeinhin als „opernhaft” Bezeichnete – übertriebenes Vibrato und überzeichnete Affekte – gibt es hier nicht. Stattdessen hören wir einen Vortrag von größter Intimität und staunen über die herrlichen Ornamente, die seine Sänger (Simone Kermes, Andrei Bondarenko, Christian van Horn, Fanie Antonelou) verwenden. Das Orchester MusicAeterna spielt auf historischen Instrumenten, weil sie den straffen, klar definierten Klang liefern, der den Reiz dieser Musik ausmacht. Currentzis geht über die Grenzen hinaus und zeigt, was möglich ist, wenn man die Fabrikmentalität des Klassik-Mainstreams meidet. Die Aufnahme rundet ein üppiges Booklet ab, in dem er seine Ansichten über Mozart darlegt. Für mich eine der aufregendsten Produktionen der letzten Jahre. Am 20. Februar kommt Currentzis nach Wien und dirigiert das ORF Radio-Symphonieorchester Wien im Wiener Konzerthaus. Solist ist der russische Pianist Alexander Melnikow.

Musischer Adventskalender 2014, Tür #5: Viola in Exile

cover1Die Viola ist für mich eines der schönsten Instrumente überhaupt. Sie klingt süß und zugleich herb, sie kann warm und dann auch wieder hell und durchdringend klingen. Dass so viele Witze über sie gemacht werden, kann nur am Neid all jener liegen, die nicht auf ihr spielen können. Viel zu lange stand die Viola im Schatten der Violine, bis sie im 19. Jahrhundert endlich als Soloinstrument entdeckt wurde. Seither sind einige wegweisende Werke komponiert worden, u.a. von Hindemith, Bartók und Ligeti. Heutzutage beinahe vergessen sind die Kompositionen von Hans Gál, Eric Zeisel oder Karl Weigl – sie alle teilen das Schicksal, als Wiener aufgrund ihrer jüdischen Abstammung nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten aus ihrer Heimat vertrieben worden zu sein. Wie gut, dass es immer wieder Musiker gibt, die uns daran erinnern, welch fantastische Musik diese Komponisten zu Papier gebracht haben – trotz oder gerade wegen der furchtbaren Umstände, die sie begleitet haben. Julia Rebekka Adler ist eine von ihnen. Gemeinsam mit dem Pianisten Axel Gremmelsbacher ist ihr ein schönes Album gelungen, mit Stücken, die es verdient haben, wiederentdeckt zu werden. 1941 komponierte Gál seine Sonate für Viola und Klavier, doch von den Wirren des Krieges ist nichts zu hören. Statt dessen erklingt unglaublich sinnliche Musik, hier und da ein wenig verspielt, zart und wunderbar expressionistisch. Ganz anders bei den Sonaten von Weil und Zeisel, die den Schrecken und die Vernichtung zumindest erahnen lassen: düstere, ruhig voranschreitende Klänge, ein Klagelied und ein derb-rustikales Trio mit einem Bordunbass. Eine Reminiszenz an das “alte Wien” bildet zum Abschluss Fritz Kreislers Evergreen Rosmarin. Für einen Augenblick wird diese Welt wieder zum Leben erweckt, fast so, als wäre sie nie untergegangen.

 

Musischer Adventskalender 2014, Tür #4: La Belle Excentrique

petibonIch liebe Patricia Petibon. Weil sie eine fantastische Sängerin ist, natürlich. Weil sie sich jede Rolle einverleibt und sie nicht nur spielt, sondern auch lebt. Wenn Patricia Petibon auf der Bühne steht, dann tut sie dies mit Haut und Haaren. Sie verwandelt sich, brüllt wie ein Löwe, spielt mit der Leidenschaft, haucht einen berührenden Liebesgesang, weint, tanzt und lacht; erotisch, zärtlich, blutvoll. Wenn sie singt, dann geht sie bis an die Abgründe der menschlichen Seele, zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt. Im September spielte die bezaubernde Französin mit dem feuerroten Haar in Wien die Manon Lescaut aus Massenets gleichnamiger Oper. Ein junges, wildes Ding. Ein verführerisches Mädchen, ein Luxusgeschöpf, das frei sein will und von einer Welt träumt, der es nie angehören wird. Es war eine Offenbarung und ich wäre am liebsten in jede Vorstellung gegangen. Ihre neue CD hat Patricia Petibon dem französischen Chanson gewidmet, eine bunte Welt von Gabriel Fauré bis Léo Ferré, vom Dichter Théophile de Viau bis Manuel Rosenthal. Hier ist der französische Geist allgegenwärtig, mit seinem Charme, seiner Melancholie und seinem derben Spott. Manche Titel verweisen augenzwinkernd auf berühmte Tänzerinnen des Moulin Rouge: auf La Goulue und ihren Partner Valentin le Désossé, auf Gavrochinette, Rayon d’Or oder auch Nini Pattes-en‑l’air, in deren Tanzschule angeblich nicht nur French Cancan auf dem Lehrplan stand. Zwischendurch tauchen immer wieder Francis Poulenc und Erik Satie auf, den Patricia Petibon als Kind kennen- und lieben lernte. Für Petibon spiegelt die Musik auf der CD alles wider: das Komische und das Tragische, das Fantastische und das Geheimnisvolle. “Ich gehe gerne von einem Extrem zum anderen”, sagt sie. “Nur so kann ich spüren wie intensiv das Leben ist – und der Tod“.

Musischer Adventskalender 2014, Tür #3: Motherland

motherlandWenn sie das Podium betritt, dann steht plötzlich die Zeit still. Khatia Buniatishvili ist ein Phänomen, eine Naturgewalt. Ihr Leben ist die Musik. Musik als intimes Zwiegespräch und rauschhafter Zustand, als Gefühl der Extase und der grenzenlosen Freiheit. Die erste Solo-CD der georgischen Pianistin war ein tollkühner Ritt durch das Liszt´sche Universum, hemmungslos und leidenschaftlich, die zweite Frédéric Chopin widmet. Mit ihr konnte Khatia Buniatishvili ihre melancholische, verletzliche Seite zeigen. Khatia Buniatishvili versteht es auf ihrem Instrument Musik Geschichten zu erzählen. Sie ist eine Virtuosin, im besten Sinne des Wortes. Dämonisch, nicht akademisch; charismatisch, individuell und hypersensibel. Eine Pianistin vom Schlag eines Sergei Rachmaninows oder eines Arturo Benedetti Michelangeli; eine Künstlerin, die sich nicht nach der Mode richtet und selbst lieber in der Welt von Gestern lebt. Heute hat die 26-jährige Pianistin eine Wohnung in Paris, auch wenn sie eigentlich die meiste Zeit aus dem Koffer lebt. Geblieben sind die Erinnerungen an die Heimat Georgien. Wie sie wohl klingen mag, lässt sich auf Buniatishvilis neuer, ihrer Mutter gewidmeten CD „Motherland“ nachhören. Es ist Khatias bisher vielleicht schönstes, weil persönlichstes Album. Heimweh, Glück, Freude und Sehnsucht, all das erklingt hier auf sehr musikalische und ganz unmittelbare Weise. Mit einem Bogen, der von Bach zu Pärt reicht, der Brahms, Liszt und Kancheli neben vielen anderen zusammenbringt, malt Khatia Buniatishvili ein klingendes Kaleidoskop an Farben und Stimmungen. „Motherland“, das ist Erde und Fruchtbarkeit, Intimität und das Gefühl der Geborgenheit. Ein gesungenes Lied, ein Tanz, Stille, Frieden. Klingende Heimat, Mutterland.

Musischer Adventskalender 2014, Tür #2: Duo Gazzana

Bildschirmfoto 2014-12-02 um 09.39.11Schon seit Kindertagen machen Natascha und Raffaella Gazzana gemeinsam Musik. Natascha spielt Violine, Raffaella Klavier. Seit Mitte der Neunziger haben sie als Duo Gazzana international auf sich aufmerksam gemacht und zahlreiche angesehene Preise gewonnen. Ihre erste CD “Five Pieces” widmeten die beiden Schwestern mit einer Affinität zur zeitgenössischen Musik, Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts, mit selten gespielten Werken von Takemitsu, Hindemith, Janáček und Silvestrov. “Wir wollen unsere Gefühle ausdrücken und teilen, und weil wir in der Gegenwart leben, funktioniert es besser mit zeitgenössischen Klängen”. Dass neuere Musik auch herrlich unkompliziert und zugänglich klingen kann, beweisen sie auch auf ihrem zweiten, großartig gelungenem Album mit Raritäten aus dem Repertoire der klassischen Moderne. Zum Auftakt erklingt Alfred Schnittkes elegant-verquere, barock anmutende Suite im alten Stil, gefolgt von Francis Poulencs hochexpressiver Sonate für Violine und Klavier, die dem Andenken des Dichters Federico García Lorca gewidmet ist und hier mitreißend musiziert wird. Während Valentin Silvestrovs und Luigi Dallapiccolas Stücke als kühne Hommage an Bach, respektive Tartini erklingen, schuf William Walton mit seiner Toccata ein hochvirtuoses, von Ideen und Einfällen überbordendes Werk.

Musischer Adventskalender 2014, Tür #1: Rival Queens

Rival Queens

Barocke Roben und Boxhandschuhe – so posieren die aus Alaska stammende Mezzosopranistin Vivica Genaux und  die deutsche Sopranistin Simone Kermes auf dem Cover ihres Albums „Rival Queens“. Dabei mimen sie die einstigen Barockstars Francesca Cuzzoni und Faustina Bordoni, die ihre Feindseligkeiten sogar offen auf der Bühne austrugen. Dem Publikum gefiel´s. Die beiden Sopran-Diven Genaux und Kermes lassen das Drama musikalisch wieder auferstehen und singen zusammen mit der Cappella Gabetta unter Andres Gabetta herrliche Opernarien von barocken Meistern, die es ohne die zwei Primadonnen womöglich nie gegeben hätte, darunter 12 Neueinspielungen. Neben Musik von Händel, Hasse oder Porpora erklingen  auch fast vergessene Komponisten wie Leo, Ariosti oder Sarro. Natürlich sind auch Ausschnitte aus jener Oper zu hören, in der der legendäre Opernskandal ausbrach: Giovanni Bononcinis Astianatte. Wer die beiden Primadonnen live erleben möchte, der hat demnächst die Gelegenheit dazu. Am 20. Jänner 2015 um 19 Uhr gastieren sie mit dem Programm Baroque Rivalries im Theater an der Wien.

 

Teodor Currentzis (Foto: Sony Classical)

Himmelhoch jauchzend und nie zu Tode betrübt

Heuer begeht die Musikwelt den 250. Todestag von Jean-Philippe Rameau. Das Capriccio ­Stravagante Les 24 Violons und das Collegium ­Vocale Gent spielen auf „Rameau’s Funeral” (Paradizo) Begräbnismusik, wie sie beim Trauergottesdienst zu Ehren Rameaus erklungen ist. Jean Gilles „Messe des Morts” wurde im Oratoire du Louvre in einer Bearbeitung des Komponistenduos François Rebel und François Francœur gespielt. Als Hommagen an Rameau wird dessen Musik immer wieder mit jener Gilles verwoben oder sein Stil zitiert. Ein heute wie damals ergreifendes Abschiednehmen vom größten französischen Komponisten des 18. Jahrhunderts.

Der frischgebackene Echo-Gewinner Teodor Currentzis ist ein Ausnahmemusiker, das stellt er auch mit dem neuen Album „The Sound of Light” (Sony) unter Beweis. Gemeinsam mit dem Ensemble MusicAeterna präsentiert er eine sehr persönliche Hommage an Rameau und bedient sich dabei aus den lyrischen, heroischen und tragischen Opern und Balletten des Komponisten. „Wie kann man Menschen, die nie den Kuss der Sonne gespürt haben, das Licht erklären? Ich würde ihnen Musik von Rameau vorspielen”, schreibt Currentzis im Book­let. Rameau hatte aber auch eine wilde, dunkle und bedrohlich Seite. Currentzis rauscht durch diese opulenten Klangwelten und erweist sich einmal mehr als ungemein beredter Geschichtenerzähler.

Einen Bogen zur Moderne spannt die Pianistin Cathy Krier auf „Rameau, Ligeti” (Avi). Französischer Barock und ungarische Avantgarde – funktioniert das überhaupt? Kriers Antwort lautet „Ja”. Sowohl Rameaus „Pièces de Clavecin” als auch Ligetis „Musica Ricercata” verbindet die Lust am Spiel mit den Noten, das streng Intellektuelle und radikal Neue ihrer Musik. Krier gestaltet mit ihrem glasklaren und zugleich gefühlvollen Spiel wunderbare Dialoge zweier Komponisten, die einander näher sind, als man denkt.

Rameau's Funeral Paradizo 22 Euro

Rameau’s Funeral
Paradizo
22 Euro

Rameau – The Sound of Light Sony Classical 21 Euro

The Sound of Light
Sony Classical
21 Euro

Rameau – Ligeti CAvi-music 22 Euro

Rameau – Ligeti
CAvi-music
22 Euro

 

 

 

 

 

Begegnung im Herbst

Aaron Pilsan (Foto: Franck Juery / Naïve)

Aaron Pilsan (Foto: Franck Juery / Naïve)

Der Text entstand für das CD-Booklet bei Naive

Im Februar hörte ich Aaron Pilsan zum ersten Mal. Im prachtvollen Schubert-Saal des Konzerthauses gab er an der Seite von Schauspielerin Dörte Lyssewski sein Wien-Debüt. Gemeinsam gestalteten sie eine Matinee im Rahmen des Zyklus „Musik und Dichtung“ – sie las aus Arthur Schnitzlers Erzählung „Der Mörder“, er spielte Brahms und Schönberg. Kein Virtuosenfutter, sondern Musik, die zwischen versunkener Wehmut, keckem Schelm und dämonischem Schrecken, tief in die Abgründe der menschlichen Seele blicken ließ. Pilsan war gerade neunzehn geworden, ein schlanker Jüngling mit Smoking und Fliege, dunklem dichten Haar und einem schüchternen Lächeln auf den Lippen. Der Saal war bis in die hintersten Reihen gefüllt, sogar auf der Bühne hatte man Sesseln platziert, und die Mittagssonne schien den Menschen ins Gesicht, sodass manche ihre Augen schlossen, damit sie nicht geblendet werden. Als Aaron Pilsan die Bühne betrat, ging plötzlich ein Rascheln durch den Saal. Wer war dieser junge Mann? Weiterlesen