Drei Quartette, zwei gestreichelt und eines gezupft

FALTER 06/17

Foto: Thurstan Redding

Tippett Quartet (Foto: Thurstan Redding)

Die intimste aller Musikformen” nannte der britische Komponist William Alwyn das Streichquartett und komponierte sein erstes Opus für diese Formation bereits im jungen Alter von 15 Jahren. Es folgte noch ein Dutzend weiterer Quartette, die jedoch bald im Schatten von Alwyns weit populäreren Filmmusiken standen und aus den Konzertprogrammen verschwanden. Auch auf Tonträger ist die Ausbeute mager.

Man kann dem Tippett Quartet (Achtung: Geheimtipp!) daher nicht dankbar genug sein, denn sein Album “Alwyn String Quartets Nos. 10 to 13″ (Somm) ruft nicht nur ein zu Unrecht vergessenes Œuvre in Erinnerung, sondern liefert auch gleich vier Weltersteinspielungen. Vom Sound her sind die Quartette eigentlich kaum als Werke des 20. Jahrhunderts zu erkennen, stattdessen schuf Alwyn seine eigene spätromantische Klangsprache zwischen sinnlicher Schwelgerei und unbändiger Spielfreude.

Auf “Lettres intimes” (Alpha) spielt das hervorragende Quatuor Voce drei der wahrscheinlich schönsten Streichquartette des 20. Jahrhunderts. Während Bartóks 1. und Janáčeks 2. Streichquartett von gescheiterten Liebesbeziehungen erzählen, komponierte Erwin Schulhoff eine Suite von Tänzen unterschiedlicher Stile: vom wilden Polka-Verschnitt über den ironischen Seitenhieb auf die Wiener Walzer-Sentimentalität bis zur furiosen Tarantella, bei der die Streicher ihre Bögen virtuos über die Saiten fliegen lassen.

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Gezupft statt gestrichen wird hingegen beim Canadian Guitar Quartet. Auf “Mappa Mundi (Atma Classique) kombinieren die vier Herren Barockes von Antonio Vivaldi mit zeitgenössischen Originalkompositionen. Da trifft ein glühender Tango nuevo auf orientalische Rhythmen und spanisches Kolorit auf jazzige Beats, was zu einer in jeder Hinsicht unterhaltsamen und fein interpretierten musikalischen Entdeckungsreise führt.

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